Gekaufte Bewertungen bei Steam

Offensichtlich ist es ohne größere Probleme möglich, sich bei Steam positive Bewertungen zu kaufen. Das berichtet Phil Iwaniuk vom Online-Magazin PCGamesN nach einem entsprechenden Selbstversuch. Dem Bericht zufolge kostet eine positive Bewertung lediglich einige Dollar, zuzüglich eines kostenlosen Steam-Keys für das Spiel.

Iwaniuk fand seine käuflichen Reviewer beim Portal Fiverr. Bei Fiverr bieten Freelancer allerlei Dienstleistungen an. Häufig sind dort Übersetzer oder auch Grafikdesigner zu finden. Dem Autor zufolge tummeln sich dort jedoch auch zahlreiche Anbieter, die gegen Zahlung einiger Dollar ein Spiel bei Steam bewerten.

Die Preise sind demnach gestaffelt: Beim „Basispreis“ inklusive ist in der Regel die Bewertung selbst sowie eine Stunde Spielzeit. Gegen Aufpreis spielen die Anbieter dem Autor zufolge auch zehn Stunden, was anscheinend die Glaubwürdigkeit des – gekauften – Reviews gegenüber den unwissenden Steam-Kunden erhöhen soll.

Die Anbieter bewerben Ihre „Dienstleistung“ bei Fiverr Iwaniuk zufolge nicht damit, dass die Bewertung automatisch positiv ausfällt.  Hierbei handelt es sich eher um den unausgesprochenen Part des Geschäfts. Allen Beteiligten dürfte klar sein, dass die positive Bewertung letztlich Teil des Deals ist. Und tatsächlich bewerten die meisten Rezensenten ausschließlich positiv.

Meist unbekannte Spiele von kleinen Anbietern

Iwaniuk heuerte einige der Anbieter an und erhielt so die Namen ihrer Steam-Accounts, was ihm einen Blick in deren Liste der bewerteten Spiele ermöglichte. Der Autor fand zahlreiche Spiele, die mehr als ein Fiverr-Anbieter bewertet hatte, was den Verdacht eines Review-Kaufs nahelegt. Darunter waren auch Toptitel wie Counter-Strike: Global Offensive und Super HexagonBeide Titel dürften allerdings für gekaufte Reviews unverdächtig sein, weil sie zu bekannt und zu viele Fans haben, die freiwillig und aus Überzeugung positive Bewertungen schreiben.

Der Rest der Liste enthält nur wenig bis unbekannte Titel, die entweder von Entwicklern selbst oder von ebenso unbekannten Publishern veröffentlicht wurden. Manche dieser Publisher hatten Iwaniuk zufolge weder eine eigene Webseite noch einen Social Media- oder sonst eine Kontaktadresse. Diejenigen, die zu erreichen waren, schrieb er an und fragte nach. Die Publisher bestritten die Vorwürfe entweder, oder sie wichen der Frage aus ob sie für positive Feedbacks Geld bezahlt hatten.

Rückschlüsse darüber, wie tief der Sumpf der gekauften Bewertungen bei Steam ist, lässt der Selbstversuch natürlich nicht zu. Auch scheint die Zahl der Anbieter derzeit noch gering zu sein. Bei Fiverr tummeln sich Iwaniuk zufolge etwa 20 Reviewer. Andererseits stellt sein – wichtiger und gut recherchierter – Selbstversuch auch keine Studie mit repräsentativen Charakter dar, die Rückschlüsse über das tatsächliche Ausmaß gekaufter Bewertungen bei Steam ermöglichen würde. Vielmehr sollte der Beitrag als eine Stichprobe gesehen werden, die zeigt, wie leicht es ist in kurzer Zeit und mit vergleichsweise wenig Geld beste Usernoten im wichtigsten PC-Spiele-Portal der Welt zu erhalten.

Mit wenig Geld möglichst viel erreichen: Es erscheint logisch, dass es sich – so sieht es zumindest nach Iwaniuks Recherchen aus – bei gekauften Reviews eher um ein „Vergehen des kleinen Mannes“ handelt. Die großen Publisher sind zwar nicht von vornherein freizusprechen, doch haben sie andere Mittel und Wege ihre Spiele in ein positives Licht zu rücken als die kleinen Anbieter.

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Pascal Hugo

Wirtschaftsredakteur mit Volontariat, Master-Abschluss und vielen Jahren Berufserfahrung; kennt sich mit Unternehmensbilanzen genauso aus wie mit politischen Prozessen auf europäischer und nationaler Ebene; leidenschaftlicher Gamer, in Multiplayer-Matches leider meistens das Opfer. Xbox Live-ID: KSKHugo

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